in synch – Morgengedanken

Heute ist der 5.5.2019 – hier ist der Tag sonnig und kalt, ich sitze, in zwei Wolldecken gehüllt, auf dem Balkon. Eines meiner Morgenrituale, wenn ich fühle, dass zuviel in mir los ist, nennt sich Morgengedanken – ich schreibe alles auf, jeden Gedanken, so wie er kommt, bis ich ruhiger werde. Es gibt dann zwei Verfahrensweisen – die eine sagt: die Blätter/das Aufgeschriebene zerstören, Vera F. Birkenbihl empfahl, sie zu behalten und durchzusehen, weil sich wahre Schmucktücke  klarer Impulse der Kreativität in ihnen zeigen, oft nur als Fetzen eines Gedankens im Strom anderer.

Während ich vor mich hinschrieb, merkte ich, dass ich Abschiedsgedanken und -gefühle hatte. Ich sah auf mein Leben zurück, ob es was gebracht hatte, bewirkt hat. Wo das Leben oder Menschen mich gebrochen hatten, wo ich meine Impulse habe sterben lassen. Ich sah mir ruhig an, wo in meinem Leben sich mein Wunsch in das Gegenteil verkehrte, weil ich aus Offenheit und der Freude daran, etwas zu lernen, Dinge auch weitergab, die man dann verwendete, um bei anderen eben diesen Entfaltungsprozess zu stören oder zerstören.  Dann wenn ich zum Teil des Problemes wurde, weil ich Teil der Lösung war oder sein wollte. HWährend ich schrieb, wurde mir auch(wie schon häufig)  klar, dass ein Teil der esoterischen Schulen und Ideen, Leitsätze, auf politischen Theorien und Visionen basiert, politisch im Sinne von: wie kann man miteinander leben. Angefangen von Plato und Sokrates, deren Seelenlehre sich durch alle esoterischen Schulen zieht, und die westliche Welt aufs tiefste mit dem Islam verbindet (da der Islam das Andenken an diese Schriften bewahrte, nachdem sie vom Christentum bekämpft wurden – um dann im Mittelalter wieder in die christliche Lehre eingeführt zu werden und zum Teil verdrehtes Dogma in der Kirchenlehre zu werden).
Ein großer Teil der These „jeder kann alles erreichen, alles aus sich machen, wir können alles erreichen“ kommt vom westlichen Liberalismus bzw. Neoliberalismus,  der Wirtschaftsform, in der der Westen agiert, und die besagt, wenn es der Industrie und der Produktion gut geht, geht es allen gut, da wir die Freiheit der Entfaltung haben, und ein Anrecht auf Leben, Besitz, und dem Streben nach Glück (Liberalismus). Wenn der einzelne seiner Neigung folgt, stillt er auch die Bedürfnisse der anderer, da er das herstellt oder anbietet, was andere brauchen, also haben alle was davon (Neoliberalismus) – so dass im Endeffekt selbst die egoistischen Impulse dem großen Ganzen dienen. Diese Form der Ideen schlagen sich dann in den Menschenrechten nieder, die mehr oder weniger klar in den meisten Verfassungen und der UN Charta niedergeschrieben wurden  (als Recht auf freie Entfaltung von Persönlichkeit und Seele / Recht auf Leben / Würde / Freiheit / Besitz).  Ich vereinfache hier stark, es kommt mir auf die sichtbare Verbindung an,  nicht auf das Detail.  

Mir kamen diese Gedanken wieder, da ich gestern einen Pflichttext für mein Studium von Helmut Dubiel fertig gelesen habe,  einem brillanten Denker, Philosophen, Soziologen, der den Begriff politische Subjektivität (er)fand. Nachdem ich mich vor dem Text fürchtete, vier Tage am Stück brauchte, um ihn in Absätzen immer wieder zu lesen, begriff ich, dass er versuchte, zu erklären, dass jeder Mensch ein anderes inneres Bild in sich trägt, wie eine Gemeinschaft funktionieren kann, und was jeweils die innere Würde und die inneren Bedürfnisse sind. Sind diese verletzt, fühlt oder äussert sich der Mensch negativ. im Positiven jedoch kann er sie nicht immer beschreiben, sie sind latent. z.B. Jeder Mensch hat mehr oder weniger das Bedürfnis nach Anerkennung, sozialer Zugehörigkeit. Dies würde er/sie normalerweise nicht so formulieren, da es unbewusst ist und nicht immer etwas, wonach man bewusst strebt. Doch wenn dies verletzt wird, Statusverlust eintritt, man Freunde oder Familie verliert, wenn man die Arbeitsstelle verliert, in der man Kollegen und Freunde hatte, ist diese Subjektivität im Bezug zu anderen verletzt und man verhält oder fühlt sich negativ. Dies kann sich dann in verschiedensten Formen zeigen, auf kollektiver Ebene bei dem Verlust von dem, was versprochen wurde, können politische oder rebellische Bewegungen entstehen. Entweder eine Bewegung wie die 70’er Jahre Proteste (Startbahn West), oder die Entstehung der Grünen mit ökologischen Werten, Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder – was man Populismus nennt (wenn man das Wertesystem der anderen und deren Verhalten als irrational empfindet).

So trugen mich meine Morgengedanken vom Kleinen zum Großen, durch das Folgen der inneren Traurigkeit bzw. den Gefühlen, die sich durch Gedanken ins Schreiben öffneten, spürte ich den Werten nach, und ihrer Verletztheit.  

Warum ich dies teile? Weil heute Nacht Neumond war… und wir heute den Tag des gelben planetarischen Menschen haben.

Viele meiner Texte fühlen oder hören sich an, als ob sie keinen Tagesbezug haben, wenn ich z.B. von Zeitlosigkeit rede. Heute ist ein Portaltag – meine Gefühle trugen mich von dem eigenen inneren Gefühl des Scheiterns „meines Lebens“, z.B. dass ich solche Mühe hatte,  den Text zu lesen, , den ich zum Studium „brauche“, bis hin zum Verstehen eigener Impulse der Unzufriedenheit, die zum Hinwenden zu Spiritualität führen, dem Auseinandersetzen damit, wie ich meinen freien Willen angewendet habe, und dem Erkennen von „politischen“ Strömungen die nichts anderes sind als ein anderer Ausdruck dieses Wunsches nach einem anderen Leben und dessen Entfaltung im Kollektiv. Ich betrachtete die Zeiträume zwischen Plato und der Moderne – das ist der Blick aus Sicht der Zeitlosigkeit, die der „Welle“ einer Idee folgt. Die Welle des planetarischen Menschen, der Manifestation des Freien Willens auf der Erde, geschieht in der Nachtwelle. Die Nacht steht als Symbol für die Träume, die Visionen, die wir des  nächtens oder im klaren haben. So eigenartig es auch scheint, mein Aufschreiben aller Gedanken war eine Manifestation eines freien Willens, der Wellenbewegung dessen, was Menschen sich im Einzelnen träumen, was, ausgedrückt, ein Traum der Menschheit sein kann, und wie es sich in politischen Theorien oder Wirtschafts- und Regierungsformen niederschlägt. So „irdisch und unspirituell“es daher auch klingen mag – ich war komplett in der Energie des Tages, bewegt im inneren von vielen Eindrücken, die nach und nach dann eine Übersicht, ein Thema bildeten.

Dem Dreamspell zu folgen ist daher kein „Folgen, mir persönlich hilft der Dreamspell, das Große Ganze in dem, was ich an einem Morgen fühle, was ich am Tag erlebe, in einer Art Objektivierung wahrzunehmen, in andere Kontexte oder Raum-Zeiten zu setzen und daher Entfaltngsmuster zu erkennen.
Meine Gedanken sind „in synch“ mit der Zeitqualität, auch wenn andere sie vielleicht als unspirituell sehen mögen, da der Kampf gegen Politik oder die politischen Formen bzw. das Ignorieren dessen  spiritueller scheint, während man den Traum einer anderen Form von Gemeinschaft träumt, die es vielleicht schon als Theorie gibt,  oder bereits als Lebensform präsent ist. Der Freie Wille darin bedeutet, wie viele gleiche Träume träumen, und dann ihren freien Willen verwenden, diesem Ideal zu folgen, immer ein kleines bisschen mehr Manifestation des Ideals auf der Erde (planetarischer Ton).

Und damit nun zum Thema des Tages.
Heute nacht hatten wir einen Neumond zwischen 14-15 Grad Stier. Das Sabische Symbol für diesen Grad besagt:  Zitat:


Phase 45 (15′ Stier): Den Kopf bedeckt mit einem flotten Seidenhut, eingehüllt gegen die Kälte, trotzt ein Mann dem Sturm.
Schlüssel: Der Mut, der nötig ist in den Krisen, die durch gesellschaftlichen Ehrgeiz heraufbeschworen wurden.


Der Mann mit dem Seidenhut hat gesehen, daß ihm einige seiner ehrgeizigen Anstrengungen Erfolge in der Gesellschaft gebracht haben; doch er lernt auch, daß häufig nichts so unbeständig ist wie der Erfolg. Der Sturm mag in ihm selbst sein, oder er greift seinen sozialen Status an. Doch der Mann ist bereit, dem Sturm mutig entgegenzutreten. Das zeigt, daß er willens ist, Krisen zu akzeptieren und durchzustehen. Diese Charaktergröße bildet den Boden, auf dem sich eine höhere Art von Bewußtsein entwickeln kann.

Dies ist die fünfte und abschließende Stufe dieser neunten Fünf-Stufen-Folge von Symbolen. Sie bedeutet einen Übergang auf eine neue Ebene, auf der das Individuum, das aus seiner Erfahrung gelernt hat, unter Beweis stellt, wie reif sein Denken wirklich ist. Was sich hier offenbart, ist CHARAKTER unter widrigen Umständen. / Zitatende (Quelle: Übersetzung des „Astrologischen Mandala“ von Dane Rudhyar)


Als ich das Symbol sah, musste ich lachen.  Ich sitze mitten in der Sonne auf dem Balkon, doch bei ca 1 Grad anfangstemperatur bei Sonnenaufgang (jetzt so bei 8 – 9 Grad) eingehüllt in Wolldecken. Ich habe mich an den Amseln gefreut, die die schwere Zeit der Krankheiten überstanden haben, denn zum ersten Mal seit 3 Jahren sind wieder Amseln auf dem Balkon, um sich Sonnenblumenkerne zu ergattern und ihr Lied zu singen.  Auch wenn ich selbst zur Zeit Schmerztabletten nehmen muss, um mich bewegen zu können, ist es auch für mich  eine Zeit, in der ich  bei Kälte in Decken eingehüllt immer noch an meinem Werk arbeitet. auch wenn es länger dauern mag,  Auch wenn die Synchronizitäten des Lebens sich in Form des Erkennens eines größeren Zusammenhangs zeigen, der nach und nach auch mein spätes Studium umschließt und Erkenntnis erzeugt.

Zeitlosigkeit und „insynch“ sind nicht davon abhängig, dass man sich in Meditation begibt und dem Körper entschwebt, sie können durchaus auch dann Entstehen, wenn man in Achtsamkeit die Wellen der Bewegungen von Ideen durch Raum und zeit erkennt – und wie das innere Streben vieler Menschen soziale Formen und Gesellschaften schaffen in dem Versuch, einer Idee ausdruck zu verleihen… so wie ein Baum auch im nächsten Jahr Blüten treiben wird, um neue Frucht zu geben.

Die Zeitlosigkeit eines Baumes, einer Rose, oder der Amsel, ist so real wie die Zeitlosigkeit des Menschen, und der Ideen, die – mal mehr, mal weniger gut – mal im Sonnenschein, mal eingehüllt in Decken – ausgedrückt werden.